• Sandra

Über das Wolkenverwirbeln und Wortebefreien.

Ein Wort kann ein Bote sein. Ein kleiner, frecher Kerl mit großem Herzen, der in meinem Inneren eine Schwingung aufnimmt und sie in sein kleines Verwandlungsköfferchen packt. Der loszieht und auf dem Weg sein Köfferchen seine ihm eigene Energie entfalten lässt. Der in die Außenwelt kommt, das Köfferchen aufklappt und ein Wort entschweben lässt. Dann ist das Wort Ausdruck meines Herzens. Ausdruck meiner Wahrheit und meiner Liebe für mich und für die Welt. Der kleine Bote ist in seinem Element. Er vermittelt das, was er vermitteln möchte: Meine Botschaft. Mein Innerstes. Dieses Wort ist aufgestiegen aus meinem Inneren, es hat seine Entsprechung in mir – und seine Quelle.


Es ist diese Quelle, die uns alle verbindet, an der wir zusammensitzen und an der wir uns treffen können, um zu sprechen. Von Herz zu Herz, von Mensch zu Mensch. Und da ist es völlig egal, ob wir uns beim Sprechen ansehen oder ob wir uns in den sozialen Medien treffen oder im Bus oder auf der Straße oder beim Elternabend oder ob wir uns auf einem Berg begegnen. Es ist völlig egal, ob wir uns über Skype sprechen oder ob ich mir einen Podcast von Dir anhöre oder Du Dir ein Video von mir anschaust oder ob Du etwas von mir liest. Wenn ein Wort aus meinem Herzen ausgesendet wird, wenn ein kleiner Bote unterwegs ist mit einem Köfferchen. Dann ist es eine Botschaft. Und diese Botschaft kann mit Dir, mit Deinem Innersten in Resonanz gehen – oder nicht. Und es ist beides gleich gültig. Der Bote nämlich, der hat nur eine Aufgabe, nur eine Freude. Er transportiert und lässt Schwingung sich materialisieren in Klang und Bedeutung. Er ist nicht beauftragt, sein Köfferchen abzustellen und dafür zu sorgen, dass genau Du das Wort auspackst. Er will nicht überzeugen, er will nicht überreden, er will nicht diskutieren, er will nicht drum herum reden, er will nicht. Nämlich nichts. Nur sein. Stell ihn Dir begeistert vor. Er tanzt mit seinem Köfferchen herum, er schwenkt es und dreht es und lässt es leuchten und hoch in die Luft steigen. Einfach nur aus Freude darüber, dass es da ist. Er tut das ohne Erwartung. Und er weiß, dass das Wort seinen eigenen Drive hat. Wenn das Wort nämlich in Dir eine Entsprechung findet, wenn es in Deinem Herzen gehört werden will und wird, wenn es sich einschwingt auf Dich und Dein Inneres, dann wird es sich beamen. Aus dem Köfferchen in Dein Herz hinein. Ganz von selbst. Ohne dass der Bote, ohne dass ich, ohne dass Du irgendetwas dazu tun müsstest.


Heute möchte ich also über Worte schreiben. Ich möchte daran erinnern, dass Worte nicht nichts sind. Ein Wort möchte entspringen. Seine Fließrichtung ist so wie die von allem anderen auch: Von Innen nach Außen. Ein Wort möchte nicht in der Peripherie aufgesammelt und weitergetrieben sein. Es ist kein Ball. Es ist eine magische Perle. Es möchte mit Dir verbunden sein und Dein Inneres transportieren. Und der Bote – er möchte mit seinem gefüllten Köfferchen nicht vor verschlossenen Türen stehen und nicht hinaus können. Und umgekehrt möchte er nicht mit leerem Köfferchen draußen vor der Tür stehen und warten, endlich eingelassen zu werden und Dich aufzunehmen und auszudrücken.


Wenn ein Wort für Dich nicht wahr ist, ist es leer. Denn dann hat es keine Bedeutung. Das gilt in beide Richtungen. Deine Worte zu mir und meine Worte zu Dir.


Und ich möchte noch etwas zur Bedeutung von Worten sagen. Ich empfinde es als eine ganz wunderbare Erfahrung, Worte frisch wiederzuerkennen. Ich erkläre das. Ich sehe um eigentlich alle Worte herum eine diffuse Wolke an Deutungen. Diese Wolke ist teilweise sehr dicht, sie beinhaltet die komplette Geschichte des Wortes – das ist ganz ähnlich wie bei anderen Bewusstseinsaspekten. Mit etwas Glück schimmert das eigentliche Wort noch durch, manchmal ist die eigentliche Bedeutung aber auch fast verborgen. Zugekleistert von allem, was wir im Laufe der vielen Jahrhunderte mit dem Wort verbunden haben, wie wir es gebraucht und missbraucht, wie wir es verschleiert und verdeutet haben.


Ich bin unbedingt dafür, die Worte von dieser Wolke zu befreien.


Nehmen wir mal das Wort „Liebe“ – das ist gerade in den letzten Jahren so unglaublich inflationär gebraucht worden, dass es von oben bis unten eingekleistert ist von einer gummiartigen Masse. Süß und leicht klebrig. Oder das Wort „Macht“. Da ist die Wolke dunkel, scharfkantig, drohend. Vielleicht hast Du Lust und machst mit, nimmst die Worte in Dein Herz und pustest ganz leicht über die Wolke. Überraschender Weise lässt sie sich dort nämlich sofort verwirbeln.


Schön, so ein Wort, oder?


Befrei Deine Worte von den Wolkenschichten an Deutungen und Bedeutungen.

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©2020 Sandra Greuel

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