• Sandra

Über das Zumuten.

Das ist eine Frage, die ich mir oft stelle: Warum verflixt nochmal sind wir eigentlich so unglaublich vorsichtig mit uns selbst und unserer Wahrheit – und warum meinen wir so oft, dass wir zu viel sind? Zu verrückt, zu doof, zu naiv, zu frech, zu verspielt, zu verträumt, zu wenig, zu unerfahren, zu kopflastig, zu was auch immer. Nein, ich will jetzt nicht anfangen mit Programmierungen, Rollenbildern, Glaubenssätzen, Gedankenmustern, Konditionierung, Beschneidung, Systemen und so weiter.


Kennst Du „blinde Kuh“? Das ist ein Spiel, das man zu Mehreren spielt. Einer verbindet sich die Augen, wird im Kreis gedreht und ertastet dann anschließend die Identitäten der anderen. Ich sehe es so: Wir spielen 1. Blinde Kuh mit uns selbst. Wir stehen in unserem Inneren (günstigenfalls im Herzen), sehen nichts und drehen uns tastend im Kreis. Wir berühren unsere innere Wahrheit und versuchen, sie zu erkennen. Wir fahren jede Linie, jede Erhebung mit den Händen nach, wir ziehen und drücken, streichen und klopfen. Die Gestalt unserer Wahrheit bleibt uns verborgen. Aber wir bleiben in ihrer Nähe. 2. Spielen wir Blinde Kuh mit unseren Mitmenschen. Wir verbinden ihnen die Augen und lassen sie nur Teile erahnen. Wir lassen sie nicht alles sehen. Wir lassen sie zu ausgewählten Einblicken ganz kurz unter der Augenbinde hervorblinzeln. Und schnapp, ziehen wir den Vorhang wieder zu.


Vielleicht sollten wir mal anfangen, leuchtende Kuh zu spielen. Das geht so: Du stellst Dich 1. In Dein Herz, gleich neben Deine Wahrheit. Wenn Du Spaß daran hast, kannst Du Dir die Augen verbinden. Du kannst es aber auch lassen. Die Augen brauchen wir nämlich gar nicht. Du stehst also dort und fühlst. Du öffnest Dein Herz für Deine Wahrheit. Und Du erlaubst ihr, sich zu zeigen. In Dir selbst. Du erzählst ihr, wie Du hierher gekommen bist und dass Du Dich bisher nicht so richtig getraut hast, sie kennen zu lernen. Und du erzählst ihr, dass Du es jetzt bist. Dass Du sie in Deinem Leben willkommen heißt. In allen ihren Facetten und allen ihren Möglichkeiten und all ihrem wunderbaren Sosein. Ihr zwei, Ihr nehmt Euch da in Deinem Herzen ganz fest an die Hand. Ihr seid zusammen. Für immer. Ab jetzt. Und 2. Übst Du Dich im zumuten. Du gehst mit Deinem inneren Powerpärchen raus in die Welt. Augenbinden verteilst Du nicht mehr. Du übst Dich darin, da zu sein. Unbedingte Anwesenheit wird Dein Trainingsmotto.


Kennst Du „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren? Da gibt es diese grandiose Szene, in der Ronja das erste Mal die elterliche Räuberfestung verlassen darf und ihr Vater ihr erklärt, worauf sie da draußen in der Welt achten soll. Er sagt zum Beispiel: „Und hüte Dich davor, in den Fluss zu plumpsen!“ „Warum?“, fragt Ronja. „Weil Du ertrinken könntest.“, antwortet der Vater. „Und was tue ich, wenn ich in den Fluss plumpse?“, fragt Ronja. „Dann schwimmst Du.“, so der Vater. „Na dann!“, sagt Ronja. Es gibt viel, vor dem sie sich hüten soll. Und Ronja sagt auf alles „Na dann“! Und in diesem „Na dann“, da liegt so viel… Vorfreude! Pure Vorfreude. Und dann macht sie etwas ganz Wunderbares, das so wunderbar ist, weil es so wahr ist. Und so einfach: Sie übt sich in den Dingen, vor denen sie sich hüten soll.


Und so machen wir das auch mit der Wahrheit und dem Sichzumuten. Das ist nämlich das Patentrezept für alles. Machen. Sich üben. Ich weiß genau, wie schwierig das ist. Stabhochsprung sieht immer so einfach aus, wenn man es kann 😊. Hier werden innere Muskeln trainiert. Bewusstseinsmuskeln und Liebesmuskeln und Wahrheitsmuskeln. Das gibt manchmal Muskelkater. Und es macht tierisch viel Spaß. Allein das Wort macht doch schon Spaß. Zumuten. Tolles Wort, oder?


Dir Dich selbst zumuten. Und Dich den anderen. Geheimrezept.

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©2020 Sandra Greuel

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