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  • Sandra

Über den Kopf, das Herz und das Gedankenkarussell

Wie viel Macht hat eigentlich der Verstand in Deinem Leben? Das finde ich eine extrem spannende Frage! Der Verstand hat eine unglaublich starke Lobby. Seit Jahrhunderten laufen in uns Männchen in kleinen, schicken Anzügen herum – waschechte Lobbyisten – die uns erzählen, dass wir den Verstand dringend brauchen. Der Verstand, so steht es in ihrem Programm, ist der Garant für Fortschritt, Vernunft, Kultur, Überblick über die Geschehnisse, rational begründbare Entscheidungen, Weitsicht, Sicherheit, das Bewahren von Lebensqualität, Erfolg, Kontrolle. Hier geht es darum, vernünftig zu handeln statt gefühlsduselig. Aha. „Gefühlsduselig“. Ist das das Gegenteil zum Verstand? Nein. Das ist ein Wahlkampftrick. Das ist reine Polemik. Und das sollten wir auch, wenigstens mal ganz kurz und als kleines Selbstexperiment, so sehen. Einfach mal annehmen: Das stimmt vielleicht alles gar nicht. Vielleicht ist es gar nicht der Verstand, dem ich die Leitung meines Lebens anvertrauen sollte.


Was spricht denn dagegen, das Herz – ebenfalls erstmal rein experimentell – als Basis, als höchste Instanz zu etablieren? Stell Dir mal vor, Du würdest Dein Herz schulen, Du würdest Dich darin üben, näher an Deinen Gefühlen zu sein, Dein Herz soweit aufzumachen und Dich darin so niederlassen, dass Du hier zu jeder Zeit und für jede Frage stets genau die richtige Antwort finden würdest? Eine Antwort, die sich dann auch noch gut anfühlen würde? Es ist ja nicht gefühlsduselig, auf sein Herz zu hören. Es ist nicht naiv zu glauben, dass es darum geht. Es erfordert Mut und Stärke, auf seine Intuition zu hören – es ist kein Zeichen von Schwäche. Es geht schon lange nicht mehr darum, dass wir uns als Menschen durch den Verstand von anderen Lebensformen unterscheiden müssen. Es geht darum, wieder Mensch zu werden. Mit einem Herzen. Und sich dann mit dieser großen Liebe zu verbinden, die es dort zu finden gibt und die noch so viel höher hinausgeht. Das Herz ist um so vieles weiser als der Kopf. Das Herz ist um so vieles offener. Weiter. Es ist in der Lage, alles zu umfassen, alles zu sehen, alles zu fühlen – und alles nebeneinander sein zu lassen. Es wertet nicht. Im Herzen hast Du einen Ort, an dem Du liebevoll empfangen wirst, an dem Du sicher gehalten wirst und in der vollkommenen Ruhe bist. In dieser Stille kannst Du wahrnehmen, wohin es Dich zieht, welchen Schritt Du gehen, welche Entscheidung Du treffen willst. Hier kannst Du, abseits von allen Gedankenkarussellen, die Liebe für Dich wirken lassen. Es klingt für den Verstand völlig gaga - aber mehr braucht es nicht. Es braucht nie mehr. Es gibt kein Problem, keine Situation, kein Wasauchimmer, für das die Liebe keinen Weg kennt.


Ich nehme das „Gaga“ auf. Hier liegt nämlich der Hund im Pfeffer – bzw. der Lobbyist auf der Lauer. Es ist zwar mit der entsprechenden Entscheidung, der Fokussierung und der Übung punktuell möglich, sich diesen Herzraum zu erschließen und ihn zu nutzen. Es ist aber schwer, das nachhaltig und vollständig zu tun. Ich sehe es so: Die Zeiten für halbe Sachen und Kompromisse sind vorbei. Eine klare Entscheidung steht an: Welchen Weg willst Du gehen? Den des Herzens oder den des Verstandes? Denn: Wenn wir das nicht „für immer“ so entscheiden und uns noch an den Verstand als Chef klammern, dann wird es schwierig. Dann hat der Verstand die Möglichkeit, ständig „korrigierend“ in die weisen Fingerzeige des Herzens einzugreifen. Er wird sie verzerren, verändern, verwässern und er wird auch oft sogar ihre Richtung wechseln. Weil er nach seinen eigenen Regeln spielt: Er ist ein Kind des großen Spiels, das wir hier spielen (siehe Blogbeitrag „Über das große Spiel, das Loslassen, den Ausstieg und den Aufstieg“.) Er wirkt fleißig mit am großen Kreislauf. Er hält uns sicher und geborgen im Leiden fest.


Die allerwichtigste Basis in der Bewusstseinsarbeit und etwas, das mir sehr wichtig ist: Jeder Teilnehmer unserer Workshops entfernt seinen Verstand vom Chefsessel. Und zwar für immer. Und ja, man kann nachher noch Auto fahren und Entscheidungen treffen, Texte schreiben 😊, einen Alltag haben und mit Menschen leben und reden. Man kann sogar noch Zahlen zusammenzählen. Was sich ändert ist etwas anderes. Es fühlt sich einfach gut an, dieses andere. Es ist die Basis für das konsequente Loslassen, das in den Workshop-Prozessen geschieht. Es ist die Gewissheit, die aus der eigenen Quelle kommt. Ohne den Chefverstand ist das Loslassen plötzlich ganz einfach und auch vollständig möglich. Es bleiben keine Reste. Es wird still. Diese Stille ist eine klangvolle, reiche, wunderbare Stille voller Wunder und Möglichkeiten.



Herz statt Kopf! Weite, Stille - eine Welt der Wunder und Möglichkeiten

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©2020 Sandra Greuel

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